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Was ist eine «Schmerzstörung»?  
 

Zunächst unterscheiden wir zwischen akuten und chronischen Formen von Schmerzen.


Akute Schmerzen

Bei akuten Schmerzen liegt (meist) eine eindeutige schmerzauslösende Ursache zugrunde, z. B. eine Verletzung, ein Unfall oder eine körperliche Erkrankung.

Hier dient der Schmerz als Alarm- und Warnsignal, das dem Menschen eine Gefährdung signalisiert. Bei akuter, äußerer Gefährdung führt dies sinnvollerweise auch sofort zu einem bestimmten Verhaltensimpuls, z. B. sich schützen oder sich in Sicherheit bringen.


Chronische Schmerzen und Schmerzstörungen - Formen und Ursachen

Wenn eine Schmerzsymptomatik länger als 6 Monate andauert, spricht man von einer chronischen Schmerzstörung.

Einerseits gibt es chronische Schmerzstörungen, denen als schmerzauslösende Ursache eine chronische, körperliche Erkrankung zugrunde liegt, die sich nicht heilen, sondern nur lindern lässt, wie z. B. bei chronisch entzündlichen Erkrankungen (z. B. Rheuma), Abnutzungserscheinungen von Bändern, Gelenken und Knochen (z. B. Arthrosen) oder bei Krebserkrankungen. Bei diesen chronischen Schmerzen liegen durch somatische Untersuchungen ausreichend erklärbare Ursachen vor.

Andererseits gibt es schwere und quälende chronische Schmerzen, für deren Erklärung adäquat durchgeführte somatische Untersuchungen keinen ausreichenden Anhalt ergeben. Emotionale und psychosoziale Belastungsfaktoren können als ursächlich angesehen werden. In diesem Fall sprechen wir von einer somatoformen Schmerzstörung.

In der Regel hat es ursprünglich eine somatische Ursache gegeben. Die Schmerzsymptomatik hat sich jedoch durch verschiedene Einflüsse von einer möglichen Grunderkrankung quasi abgekoppelt und verselbstständigt. Bei der Chronifizierung können z. B. eine nicht ausreichende Schmerzmedikation in der akuten Phase, unnatürliche unphysiologische Schonhaltungen, die ihrerseits zu Schmerzen führen, weiterhin mit der Erkrankung verbundene Ängste und auch viele Arten von  psychischen Belastungen wie Überforderung, Stress und andere psychosoziale Zusammenhänge eine wichtige Rolle spielen.

Weiterhin kann die Ursache für eine Schmerzstörung nicht im körperlichen, sondern im psychischen Bereich liegen («Das tut mir in der Seele weh!»).

Grundsätzlich gilt, dass bei allen Schmerzstörungen, insbesondere aber bei chronischen Schmerzen, unabhängig von der auslösenden Ursache, das Schmerzerleben der Betroffenen sich immer aus körperlichen (somatischen) und seelischen (psychischen) Anteilen zusammensetzt. Die Einteilung in körperlich begründete («somatische») und seelisch begründete («funktionelle», «psychogene») Schmerzen ist irreführend und führt bei den Betroffenen häufig zu unnötigem Leid, da sie sich nicht verstanden und vielleicht sogar als Simulanten hingestellt fühlen.

Dem psychosomatischen Krankheitsmodell von chronischen Schmerzstörungen liegt eine ganzheitliche Sichtweise zugrunde. Schon lange weiß man, dass das Schmerzerleben ein subjektives individuelles Erleben ist. Zwei Menschen erleiden die gleiche Verletzung und dennoch erleben sie ihre Schmerzen in Ausmaß und Intensität völlig unterschiedlich. Dies hängt damit zusammen, dass unsere Schmerzempfindung im Gehirn entsteht. Schmerzreize aus dem Körper werden über entsprechende Nervenbahnen ins Gehirn geleitet, wo sie einer komplexen, neuronalen Verarbeitung unterliegen, von der es abhängt, wie stark wir die «Störung durch den Schmerz»  empfinden. Hierbei spielen auch seelische Einflüsse, unsere Gefühle, unsere Gedanken und auch unser Verhalten, eine große Rolle.

Wenn verschiedene Behandlungsversuche zu keiner durchgreifenden Verbesserung der Schmerzsymptomatik geführt haben, kann ein Gefühl der Ohnmacht und Hilflosigkeit entstehen, der Schmerzstörung ausgeliefert zu sein, nichts gegen sie ausrichten zu können. Dies kann in der Folge zu einer depressiven Entwicklung führen, verbunden mit einem Gefühl der Hoffnungslosigkeit und mit einem sozialen Rückzug. Hilflosigkeit und Aussichtslosigkeit rücken für die Betroffenen zunehmend in den Vordergrund des Denkens und Fühlens, was die depressive Symptomatik noch mehr verstärkt. Vielleicht fühlen sich Betroffene von ihren Mitmenschen nicht mehr verstanden und ziehen sich aus ihrem sozialen Umfeld, bezw. Beziehungen immer mehr zurück. So kann ein Teufelskreis von Schmerz und Depression entstehen.


 

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